Sie stehen einfach am Straßenrand 😳🌳
Man fährt täglich daran vorbei. Autos rauschen vorüber, Menschen hetzen durch den Alltag, irgendwo klingelt ein Handy – und direkt daneben stehen vermutlich die ältesten bekannten Bäume Bonns. (Gemeint sind hier natürlich die im städtischen Baumkataster erfassten Bäume im öffentlichen Raum.)
Einfach so.
Mitten in Bad Godesberg.
Als ich das herausgefunden habe, musste ich ehrlich gesagt erst einmal zweimal hinschauen. 😁
Die Rede ist von acht mächtigen Platanen an der Draitschquelle in Bad Godesberg. Gewaltige Stämme, beeindruckende Kronen und eine Ausstrahlung, als hätten sie schon halb Europa kommen und gehen sehen.
Und vermutlich haben sie genau das auch.
Eine Entdeckung am Computer
Die Geschichte begann eigentlich ganz unspektakulär: am Computer. 😄
Die Stadt Bonn stellt zahlreiche Daten als Open Data zur Verfügung. Darunter auch Informationen über den städtischen Baumbestand. Also habe ich mir diesen Datensatz einmal genauer angesehen.
Der Plan war simpel:
- Datensatz herunterladen
- ins CSV-Format umwandeln
- nach Alter sortieren
- schauen, welche Bäume ganz oben auftauchen
Und plötzlich standen sie da in der Liste:
acht Platanen in Bad Godesberg.
Altersschätzung: ungefähr 246 bis 247 Jahre.
Da wird man schon kurz still. 😳
Denn das bedeutet: Diese Bäume standen vermutlich schon dort, als Beethoven noch lebte, die Französische Revolution begann und Napoleon noch nicht einmal an der Macht war.
Heute stehen sie einfach direkt neben einer Straße, an der täglich hunderte Menschen vorbeifahren.
Die alten Platanen an der Draitschquelle in Bad Godesberg
Vor Ort wirkt das Ganze noch beeindruckender.
Die acht Platanen stehen entlang der Straße direkt an der historischen Draitschquelle in Bad Godesberg. Vermutlich wurden sie damals gepflanzt, als die Anlage rund um die Quelle entstand.
Und genau das macht diesen Ort so besonders.
Auf der einen Seite: Autos, Fahrräder, Stadtleben, Alltag.
Auf der anderen Seite: riesige alte Baumriesen, eine historische Heilquelle und eine fast schon parkartige Stimmung.
Diese Mischung ist faszinierend. Man steht mitten in der Stadt – und gleichzeitig fühlt es sich an, als würde man kurz in eine andere Zeit rutschen.
Besonders bei Regen hat die Szenerie ihren ganz eigenen Zauber: dunkle Stämme, nasses Pflaster, sattes Grün und diese gewaltigen Kronen über der Straße. Da bekommt selbst ein ganz normaler Straßenrand plötzlich etwas Würdevolles.
Gewaltige Stämme mit Geschichte
Wenn man direkt vor diesen Platanen steht, merkt man erst, wie mächtig sie wirklich sind.
Die Stämme sind riesig. Die typische Platanenrinde blättert großflächig ab und bildet diese fast tarnfarbenartige Struktur aus Grün, Braun, Beige und Grau. Manche Stellen wirken wie uralte Narben.
Und genau das macht alte Bäume so faszinierend:
Sie sehen nicht perfekt aus.
Sie sehen erlebt aus.
Man fragt sich automatisch: Was haben diese Bäume alles gesehen?
Pferdekutschen?
Die Kaiserzeit?
Kriege?
Den Wandel Bad Godesbergs vom Kurort zur heutigen Stadt?
Vielleicht standen schon vor 200 Jahren Menschen genau dort und haben auf dieselben Bäume geschaut. Vielleicht haben sie sich damals auch schon gedacht: „Was für gewaltige Bäume.“
Nur dass die Platanen damals noch deutlich jünger waren. 😄
Open Data kann richtig spannend sein 😁
Genau das finde ich an Open Data so spannend: Man entdeckt plötzlich Dinge, die mitten vor der eigenen Nase liegen – aber kaum jemand nimmt sie bewusst wahr.
Open Data (Offene Daten) bedeutet, dass bestimmte Daten öffentlich zugänglich gemacht werden, damit jeder sie nutzen, auswerten und weiterverarbeiten kann. Das können zum Beispiel Informationen zu Verkehr, Umwelt, Stadtplanung, Denkmälern oder eben zum Baumbestand einer Stadt sein. Solche Daten sind oft ziemlich nüchtern – aber wenn man sie richtig anschaut, erzählen sie manchmal erstaunliche Geschichten.
Die Grundlage für diese kleine Entdeckung war der Open-Data-Datensatz „Baumstandorte“ der Stadt Bonn. Über die Datensatz-API werden aus dem städtischen Katastersystem alle Bäume im öffentlichen Raum erfasst – also Bäume an Straßen, in Parks und auf anderen öffentlichen Flächen im Bonner Stadtgebiet.

Der Datensatz enthält über 60.000 Einträge und liefert unter anderem Angaben zur Baumart und zum geschätzten Alter der Bäume.
Ohne diesen Datensatz hätte ich vermutlich niemals darüber nachgedacht, dass ausgerechnet diese Baumallee zu den ältesten bekannten Bäumen Bonns gehören könnte.
Und jetzt fährt man dort vorbei und denkt plötzlich:
„Moment mal… diese Bäume sind älter als fast alles um sie herum.“
Das ist schon ein ziemlich besonderer Gedanke.
Mein Fazit
Für mich gehören diese acht Platanen definitiv zu den beeindruckendsten Bäumen Bonns.
Nicht irgendwo versteckt im Wald.
Nicht hinter Zäunen.
Nicht in einem berühmten Schlosspark.
Sondern einfach mitten im Alltag. Direkt am Straßenrand.
Und genau das macht die Sache so besonders. Man muss nicht immer weit reisen, um etwas Besonderes zu entdecken. Manchmal stehen die spannendsten Geschichten direkt vor der eigenen Haustür – oder eben an einer Straße in Bad Godesberg.
Man muss nur einmal genauer hinschauen. 😁🌳👍





